Sonntag, 18. August 2019

Mein "Hörnerlauf" beim APM am 11.08.2019

Letztes Jahr das erste Mal dabei und sofort schockverliebt: der Allgäu-Panorama-Marathon in Sonthofen. Ausgerichtet von Axel Reusch, dem wohl tollsten Organisator aller Zeiten, für mich zumindest. So viel Persönlichkeit, so viel Famile, so viel Herzlichkeit in einem Lauf hab ich noch nirgends erlebt. Das macht den APM aus. Viele tolle Helfer, super Orga und ein Lauf, der nicht so riesig und unpersönlich ist wie viele andere, an denen ich schon teilgenommen habe. Daher gilt auch für mich: einmal APM, immer APM und die Anmeldung für kommendes Jahr ist schon sicher!

Wir sind, wie auch im letzten Jahr, schon Freitag angereist und hatten eine Ferienwohnung im Haus Schmidt in Bad Hindelang gebucht. Sehr schön diese FeWo, kann ich weiterempfehlen. Schlafzimmer, Wohnzimmer, Esszimmer, kleines Bad (leider ohne Tageslicht), Küche mit Kochgeräten und sogar Spülmaschine und ein kleiner Balkon mit traumhaften Blick.

Nach der Anreise dann erst einmal gegen Mittag nach Sonthofen ins Allgäu Outlet, den größten Sponsor und Mitorganisator des APM. Hier die Startnummern und die vielen tollen Goodies abgeholt. Bei Marie gab es ein Shirt und einen 10% Gutschein für Einkäufe im Allgäu-Outlet dazu und bei mir wieder Rucksack, Socken und diesmal auch noch ein Shirt vom Allgäu-Outlet, sowie ebenso den 10% Gutschein. Die Helfer auch hier wieder alle super nett und hilfsbereit, immer ein Lächeln auf den Lippen.

Samstag früh sind wir dann zum Bummeln kurz nach Oberstdorf, anschließend nochmal nach Sonthofen. Dort ins Allgäu-Outlet und geshoppt. Für Milan und mich gab es je ein paar Salomon-Treter....die Crossläufe können also beginnen, wir sind ausgerüstet. Die Gutscheine aus dem Starterpack konnten wir hier beide jeweils einlösen und so haben meine Salomon Supercross Schuhe am Ende nur knapp 100 Eur gekostet. Danach dann ab zur Baumit-Arena, die sich beim Wonnemar befindet.

Marie ist dort wie auch im letzten Jahr beim Kids-Run gestartet. Dieser fand am Samstag 10.8.19 statt, nachmittags. Zum Glück, denn am Vormittag sah der Himmel noch nicht so dolle aus und es regnete. Noch schnell eine Regenmütze für Marie besorgt und ihr Mut gemacht, dass solch ein Wetter viel besser ist, als zu warm. Marie war wie immer sehr aufgeregt. Am Ende hat sie es aber gut gemeistert, die 600 Meter und war stolz wie Oskar, über ihren Lauf, die Urkunde und die Medaille.



Milan ist dieses Jahr leider nicht gestartet, da er mit den Waden im Vorfeld ein wenig Probleme hatte. Die lange Laufpause über die Wintermonate hatte sich hier wohl gerächt. Da muss er kommendes Jahr einfach dranbleiben und darf nicht bei jedem Wetter mimimi rufen ;-) Dann klappt es im kommenden Jahr auch mit dem von ihm angestrebten Halbmarathon, der dort ja auch wunderschön und nicht wenig anspruchsvoll ist.

Ich bin am Sonntag 11.08.19 gestartet, früh 7.30 Uhr. Nicht meine Zeit! Wissen alle, die mich kennen :) Aber was soll man machen, so ist nun mal die Vorgabe gewesen. Die Nacht zuvor kaum geschlafen vor lauter Aufregung. Früh um 5 Uhr dann klingelte der Wecker. Aufstehen, Bad und in Ruhe frühstücken, Kraft tanken, trinken und in die Klamotte werfen. Schon am Vorabend hatte ich die Entscheidung getroffen, was ich anziehe. Nur mit der Frage Trinkweste oder nur Laufgürtel kam ich irgendwie nicht weiter. Da lediglich Temperaturen bis 22 Grad angesagt waren und der Lauf doch recht früh begann, hatte ich mich am Ende nur für den Laufgürtel entschieden, in dem das Handy Platz fand. Ein kleines Fläschchen hätte allerdings nicht geschadet, denn oben auf dem Berg war es sehr schwül und drückend und die 22 Grad fühlten sich wie 30 Grad an. 

Gestartet bin ich unter der Nummer 3021 und pünktlich 7.30 Uhr ging es dann los, hoch auf den Berg. Es galt, gut 1100 Höhenmeter zu überwinden und die Strecke von Sonthofen über Bihlerdorf hoch nach Grasgehren zu überwinden. Alter Schwede, das Allgäu hat mal Berge sag ich da nur.



Was solls, da muss man eben durch, wenn man sich für solch einen Start entschieden hat. Ich wollte es ja, unbedingt. Bei der Schuhfrage im übrigen hatte ich den letztjährigen Bericht auf dem Blog von Peter Steiner studiert und auch viele andere Berichte gelesen. Da ich am Abend zuvor noch laufen war, kurze 5 km gemütlich, wußte ich, dass nach Regen immer wieder Stellen auf der Alm vorhanden sind, die nicht so schnell abtrocknen. Nach dem Regen vom Samstag war ich mir sicher, die Saucony Xodus ISO gehören an die Füße und die Entscheidung war gut. Leichtes Profil ist auf dem Hörnerlauf sehr hilfreich. Man hat einfach besseren Grip. Glatte Schuhe oder eben Asphalt-Schuhe wie meinen Saucony Triumph ISO hätte ich nicht tragen wollen, wäre an einigen Stellen kritisch gewesen.

Im Startbereich habe ich dann, wie schon am Tag zuvor auf der Messe, eine Bekannte getroffen, die ich in Freiburg auf der Messe als Verkäuferin kennengelernt hatte. Toll! Laufen verbindet doch irgendwie und es hat mich irre gefreut, sie wieder zu treffen. Kurz ein Selfie und dann ging es irgendwie ratzfatz mit dem Start, der dieses Jahr ausnahmsweise aufgrund einer Baustelle ans Gymnasium in Sonthofen verschoben wurde.


Nicht schlimm, dort fand man gut hin und Milan hatte mich ohnehin zu einer unchristlichen Zeit kurz vor 7 Uhr dort nur abgesetzt und ist dann zurück in die Ferienwohnung zu Marie nach Bad Hindelang. Er ist mit Marie gegen späten Vormittag ans Wonnemar gefahren, um mich dort zu erwarten. 

Einige Läufer sind mit Stöcken gestartet, viele mit Trinkweste. Da die Versorgung auf der Strecke tiptop organisiert war und durchaus ausreichte, würde ich, wie oben schon erwähnt, im kommenden Jahr sicher auch mit Weste laufen und 250 ml. Flüssigkeit bei mir tragen. Zwischen der Versorgungsstelle 2 und 3 fand ich den Abstand minimal zu groß. Das ist aber dem Umstand geschuldet, dass die vielen hundert freiwillige, tolle Helfer alles auf die Alm schleppen müssen und nicht überall die Möglichkeit für eine Getränkeversorgung gegeben ist. Also eher ein Memo an mich als eine Kritik an der Veranstaltung. Die Versorgung war spitze und hätte definitiv gereicht, selbst wenn es wärmer gewesen wäre.

Und dann ging es hoch, nach km 2 begannen die Steigungen und ich hätte mir das, selbst aus den Erzählungen von anderen, im Leben so heftig nicht vorgestellt. Vielleicht kann man es an diesem Bild erahnen, was da vor mir lag, vielleicht auch an meinem Gesichtsausdruck....das war dann so in etwa bei km 4, da wollte ich das erste Mal aufgeben ;-)


Hoch, hoch, hoch....war die Devise. Immer weiter und nie zurück war mein Motto, du schaffst es, hab ich mir immer wieder gesagt. Selbstmotivation war hier immer wieder Programm und mehr als nötig. Viele Steigungen konnte man schlichtweg nicht laufen, ich nicht und viele andere Läufer ebenso wenig. Die ging man einfach flott hinauf, so flott es eben ging.


Vorbei an der traumhaften Landschaft und den vielen Kühen auf der Weide, begleitet von Glockengerassel. Was für ein toller Lauf! Was für ein tolles Stück Land, in Mitten von Deutschland. Wir haben es hier in unserer Heimat einfach nur schön, daher zieht es meine Lieben und mich im Grunde auch nie in die Ferne. Das Gute liegt doch oft so nah, man muss nur die Augen öffnen und im Allgäu sind wir in knapp 2 Stunden.


Wenn die Selbstmotivation mal nicht mehr ausreichte, wurde hier vom Veranstalter gut vorgesorgt. Das fand ich einfach mega, die Sprüche haben geholfen :) DANKE an alle Helfer und vor allem an Axel und sein Orga-Team! Ihr seid einfach weltklasse!



Kaum war der erste Berg erklommen und man konnte ein paar Meter weit in den Laufmodus wechseln, war es auch schon wieder vorbei. Doch die kurzen Laufeinheiten taten gut, ebenso die kurzen geraden Strecken ohne Steigung oder die Teilstücke, die bergab gingen. Selten, aber es kam vor. Es ging über Asphalt, Wiesen, Feldwege, durch Wälder, über Wurzelwerk. Alles war dabei.


Und eines begleitete mich und viele die ganzen 18 km: gute Laune, die hatten die Läufer irgendwie alle im Gepäck. Kein Wunder, die an der Strecke stehenden Anheizer und Zujubler und auch die Helfer waren ebenso allesamt gut gelaunt.

Das hier war glaube ich Verpflegungsstelle drei, ganz oben auf dem Berg bei der ersten Bergbahn.


Sehr cool, die erste große Steigung überwunden zu haben. Doch das sollte erst der Anfang gewesen sein, wie ich unmittelbar danach feststellte.


Und dann das, was mir mehr Angst machte, als die Höhe: KÜHE. Also nicht, dass ich Kühe per se nicht mag, ich finde die Allgäuer Kühe super hübsch anzusehen. Aber durch die Herde laufen? Oh mein Gott, damit hatte ich irgendwie nicht gerechnet oder es verdrängt. Was auch immer, da musste ich durch, durch das Drehtürchen, an den Kühen vorbei und wieder raus aus der eingezäunten Weide.


Was für eine Challenge für mich :) Zum Glück lernte ich auf der Strecke Sarina kennen, eine junge Frau und Trailläuferin aus dem Kleinwalsertal. Sie meinte nur ganz trocken "mach dir keine Sorgen, die Kühe sind Touristen gewöhnt, die machen nix". Und so war es auch, sie liessen sich von den vielen hundert Läufern nicht stören und grasten weiter fröhlich vor sich hin.

Ich glaube so bei km 12 war dann der Weiherkopf erreicht. Und im Grunde der größte Teil des Anstieges, also zumindest sollte es nun mal ein klein wenig wieder bergab gehen, bevor es wieder Teilstücke bergauf ging.


Sarina hat dann kurz ein Bild von mir geschossen und wir genossen die Aussicht, dann ging es weiter, bergab. Viel angenehmer ist das auch nicht und ich habe gemerkt, daran muss ich dringend arbeiten. Viel zu ängstlich lief ich die Wege bergab hinab. Da muss ich sicherer werden und mich mehr trauen, dann wird auch die Zeit für den Hörnerlauf besser.


Nach einer kurzen Bergab-Strecke und einer kleinen Gerade ging es - ihr werdet es ahnen - klar, wieder einmal bergauf. Vorbei an einer wunderschönen Hütte bis hin zum nächsten Versorgungspunkt.


Dann wurden die Wege wieder etwas erdiger und man durchquerte wieder einige von Kühen bewohnte Wiesen, vorbei an Wassertränken, die man für eine kurze Abkühlung nutzen konnte. Herrlich erfrischend! Und selbst ein Sportfotograf hatte sich dort oben hin verirrt und hat tolle Bilder geschossen.


Na? Wer erkennt die Kuh :)


Immerhin hab ich auch hier noch ein Lächeln auf dem Gesicht. Wobei mir nach dieser Passage kurz das Lachen verging. Eine Steigung, die man gefühlt nur auf allen Vieren hochkrabbeln konnte, so steil war die. Es gab ein Stahlseil als Geländer, ich hab das tatsächlich genutzt. Wäre man aufrecht diesen Weg hinaufgegangen, ich glaube man wäre nach hinten wieder runter gekippt :) Was für eine Erfahrung!

Doch auch wenn ich einige Abschnitte hatte, die schwer waren und ganz oft der Gedanke des Aufgebens kam, habe ich mich durchgekämpft und das Schöne siegte über diese bösen Gedanken. Die vielen tollen Helfer, Fans und auch Mitläufer haben mich ins Ziel getragen über die beachtlichen 18 km. Glücklich kam ich in Grasgehren an. Und dabei hätte es kurz vor dem Ziel noch dumm enden können, denn ich bin mit der linken Ferse noch in eine Rinne, die über die Straße verlief, gerutscht, mit voller Wucht. Zum Glück konnte ich das noch einigermaßen abfangen und kam somit unversehrt im Ziel an. Na die Medaille hatte ich mir aber redlich verdient würde ich sagen......



Mit dem Ergebnis bin ich sehr zufrieden. Dass ich das ganze Ding nicht in zwei Stunden laufen kann, war mir klar, als ich las, dass Peter Steiner bereits knapp über 2 Stunden gebraucht hatte und Peter läuft gefühlt 600 Tage im Jahr und hat ebenso gefühlt 500 Wettkämpfe jährlich :) Insofern bin ich mit den knapp 2 1/2 Stunden sehr zufrieden. Das brachte mir gesamt Platz 189 von 355 Startern und bei den Damen war ich damit auf Rang 47 von 124 teilnehmenden Damen.


Da fällt mir eben auf, dass es tendenziell mehr Männer gibt, die sich zu diesem Lauf anmelden. Warum eigentlich? Na mal sehen, wie es kommendes Jahr wird. In meiner Altersklasse war ich allerdings nur Platz 7 von 10 Teilnehmerinnen. Aber auch das ist wurscht, Hauptsache ins Ziel gekommen und geschafft, was man sich vorgenommen hat, Spaß dabei gehabt. Und das hatte ich definitiv.

Nach dem Zieleinlauf in Grasgehen kurz verpflegt und danach die Chance genutzt und den ersten Bus nach Sonthofen ans Wonnemar erwischt. Die Fahrt war der Horror: gefühlt 100 verschwitzte Läufer im Bus ohne Fenster und ohne Klimaanlage. Die hat die Fahrerin erst kurz vor Sonthofen eingeschalten, als sie vermutlich merkte, dass es im Bus wie in einem Puma-Käfig roch :) Aber egal, ich wollte nur zu Marie und Milan und beide in Sonthofen in die Arme nehmen, meine Emotionen teilen. Das ist das einzige, was ich etwas schade finde. Da das Ziel eben in Grasgehren ist, bleibt das Begrüßen unmittelbar nach dem Zieleinlauf aus. Gerade da hat man die größte Freude und ich bin da dann auch immer voller Emotionen, die ich gerne mit meinen Lieben teile. Aber das wußte ich ja zuvor und so ist es im Grunde auch kein Problem, nur eben schade. Am Wonnemar konnte man als Hörnerläufer dann nochmal die Zielverpflegung in Anspruch nehmen und im Wonnemar duschen gehen. Auch ein sehr angenehmer Service, vielen Dank dafür.

Danach dann erst einmal in Richtung Stadt zum Mittagessen gegangen. Da ging es mir auch noch soweit gut, ich hatte aber schon ein wenig Kopfschmerzen. Während des Laufes waren auch meine Lippen schon trocken, vielleicht habe ich ein klein wenig zu wenig Wasser aufgenommen an den Verpflegungsstationen. Gegen Nachmittag sind wir dann zurück gelaufen zum Wonnemar. Ich wollte einen Freund, der den Ultra lief, unbedingt noch im Ziel begrüßen und herzeln. Dieser schrieb mir gegen halb 4, dass er Krämpfe hat und nicht weiß, wann er im Ziel ist. Egal, ich warte, so war es versprochen und ich halte mich an Versprechen. Eine gute Stunde später hab ich es dann aber nicht mehr ausgehalten. Zu meinen Kopfschmerzen kamen noch Bauchkrämpfe und Übelkeit. Als ich gerade meinem Freund Milos eine Nachricht schreiben wollte, bog er in die Zielgerade ein. Was für ein Zufall! Ich hab ihn noch begrüßt, umarmt und beglückwünscht und dann ging gar nichts mehr. Ich bekam einen ungeheuren Brechreiz und wollte nur noch in die Ferienwohnung. Die Kopfschmerzen wurden unerträglich. In Bad Hindelang angekommen hab ich eine Tablette genommen und mich direkt eine Stunde schlafen gelegt. Viel mehr war auch an dem Abend nicht mehr drin. Milan und Marie hab ich dann alleine zum Italiener zum Abendessen geschickt und später dann nur ein paar Kartoffeln vom Vortag noch zu mir genommen. War wohl doch viel anstrengender, als von mir angenommen. Aber nicht besorgniserregend und schon gar nicht bedrohlich. Am nächsten Morgen ging es mir wieder blendend und alles war gut. 

Der Hörnerlauf, mein Hörnerlauf - ein sensationelles Ereignis. Kommendes Jahr ganz sicher wieder. Und Milan möchte sich für 2020 auf den HM dort vorbereiten. Die Eltern von Milan haben sich bereit erklärt, Marie in dieser Zeit zu nehmen, denn nur so können wir auch beide starten beim APM 2020.